"Gleichstellungsbericht" - Fortschritt eher schleppend

GleichberechtigungObwohl einige Maßnahmen zur Erreichung der Gleichstellung von Männern und Frauen - zum Beipiel weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten, alternierende Telearbeit oder die Versuche bei der Berufsfeuerwehr den geringen Frauenanteil zu erhöhen - Wirkung zeigen, meint Gisela Ohnesorge basierend auf den Gleichstellungsbericht für den Zeitraum 2013 bis 2015, dass die Fortschritte alles in allem schleppend sind.

Nimmt man zum Beispiel den Anstieg des Frauenanteils in höheren Entgelt- oder Besoldungsgruppen: Zwischen 2013 und 2014 ein Anstieg um 1,4 % und zwischen 2014 und 2015 um 0,5 %. Das sind wahrlich keine großen Schritte. Im Bericht wird dazu gesagt, dass hier bei den Entgeltgruppen quasi eine paritätische Besetzung erreicht werden konnte. Richtig ist: Der Anteil der weiblichen Beschäftigten in den Entgeltgruppen E 10/S15 bis E 15/S18 wurde auf 49,2 % erhöht. Bei den Beamtinnen sieht der Anstieg deutlich bescheidener aus. Dabei ist zudem zu beachten, dass mehr als die Hälfte, also 58 % der Beschäftigten Frauen sind.


 

Statistiken sind also immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten

Zum einen wäre eine stärkere Differenzierung der Entgeltgruppen (ebenso auch der Besoldungsgruppen) hilfreich, denn zwischen A 11 und A 16 beispielsweise liegen doch etliche Euro Unterschied und zum zweiten wird aus den Statistiken, die uns vorliegen, nicht klar, welche Stundenanteile hier erfasst sind, sprich: Wieviele Frauen arbeiten in Teilzeit im Vergleich zu den Männern? Wie auf S. 2 ausgeführt wird, werden keine Vollzeitäquivalente genommen, sondern die Daten beziehen sich jeweils auf die Dienstkraft.



Im Bericht wird hervorgehoben, dass im Betrachtungszeitraum zwei wichtige Führungspositionen mit Frauen besetzt wurden, nämlich einmal unser Sozialdezernat (mit einem recht umfangreichen Ressort) und das Gesundheitsamt. Grundsätzlich ist das natürlich erfreulich, aber andererseits entsprechen die Tätigkeitsbereiche auch wieder den geschlechterspezifischen Tätigkeitsfeldern, was man aufbrechen müsste- wie im Bericht in Bezug auf die Berufsfeuerwehr und den gesamten Kinderbetreuungsbereich auch gesagt wird.



Um nicht missverstanden zu werden: Das Sozialdezernat und auch das Gesundheitsamt sind wirklich wichtige Bereiche, aber auf der Werteskala der Gesellschaft zählen andere Ressorts oft mehr: Auf die Finanzdezernentin beispielsweise müssen wir wohl noch warten. Immerhin hatten wir aber schon mal eine Baudezernentin.



Betrachten wir hier noch einmal die Kindertagesstätten. Der enorm hohe Frauenanteil soll nach Möglichkeit gesenkt werden. Motto: Männer in die Kinderbetreuung. Aber die Ursachen für den Mangel an Männern werden im Bericht nicht benannt: Eine ganz wesentliche Ursache liegt in der Bezahlung. Was die materiellen Ursachen für Ungleichstellung angeht, darauf geht der Bericht nicht ein.



Solange eine Gesellschaft und auch wir als Stadt die Tätigkeiten im sozialen Bereich so schlecht bezahlen, wie es momentan der Fall ist, solange werden wir auch vergeblich nach Männern für diese Bereiche suchen.



Im Bericht ist davon die Rede, dass Jugendarbeit (von der Kita an) einen erheblichen Beitrag leistet und leisten kann, um eine Gleichberechtigung von Mann und Frau zu erreichen. Aber de facto hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Die Schulabgängerbefragungen lösen in den Gremien (Schulausschuss und Jugendhilfeausschuss) Jahr für Jahr Ratlosigkeit aus. Die Berufswahl bleibt so geschlechterspezifisch wie eh und je: Jungen gehen in technische Berufe, Frauen in die sozialen. Die Angebote zur Fortbildung innerhalb der Verwaltung sind lobenswert, die geringe Nutzung dieser Angebote lässt jedoch darauf schließen, dass das Thema Gleichstellung noch nicht überall in der Verwaltung angekommen ist bzw. ernst genommen wird.


 

Was macht der Gleichstellungsbericht also deutlich?


Es gibt ein Bemühen um eine Gleichstellung von Männern und Frauen, wobei hier immer noch in erster Linie die Gleichstellung von Frauen mit Männern gemeint ist. Braunschweig spielt in diesem Bereich aber sicher keine Vorreiterrolle, denn sowohl die Bezahlung von Betreuungskräften im Kinderbetreuungsbereich als auch im Gesundheitswesen ist alles andere als vorbildlich. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in Braunschweig nicht mit voller Kraft vorangetrieben, man denke nur an die doch recht schleppende Einrichtung neuer Ganztagsschulen und die Problematik der Schulkindbetreuung ( aktuelle Beispiele dazu werden uns noch heute im Zusammenhang mit der SchuKiPlus- Vorlage beschäftigen. Die Debatte um die Wiedereinführung der Kindergartengebühren will ich hier nicht erneut anfachen, aber auch das ist eine Facette.


 

Fazit:


Man darf sich vielleicht mit der Einsicht trösten, dass auch kleine Schritte Schritte sind und wir im Schneckentempo immerhin vorwärtskommen.


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