Prüfantrag: Grundstück für Tiny House-Siedlung in Braunschweig

Tiny HouseDer Rat möge beschließen:  

  1. Die Stadt Braunschweig unterstützt die Realisierung einer Tiny House-Siedlung in Braunschweig.
  2. Die Verwaltung überprüft, welche Grundstücke in Braunschweig für eine zeitnahe Realisierung einer TinyHouse-Siedlung geeignet sind.

Sachverhalt:

Die Stadt Braunschweig betont auf der ersten Seite in der Broschüre "Gemeinschaftliches Wohnen - Projekte in Braunschweig", dass sie "im Rahmen der Daseinsvorsorge für seine [...] Bürger gehalten [ist], den vielfältigen und unterschiedlichen Wohnbedürfnissen aller Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden und soweit möglich die dafür notwendigen planungsrechtlichen und liegenschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen." Tiny House-Siedlungen sind ein Teil der vielfältigen Wohnbedürnissen und stehen in diesem Kontext für ein modernes und nachhaltiges Wohnkonzept, dass für eine Stadt wie Braunschweig viele Vorteile bringt, auf die nachfolgend eingegangen wird. Es ist eine gemeinschaftliche Wohnform mit individuellen, ökologisch gebauten, architektonisch ausgefeilten Mini-Gebäuden (Tiny Houses) in Kombination mit einem Gemeinschaftsbereich, der sowohl Gemeinschaftsräume als auch gemeinsam genutzte Bereiche im Außengelände umfasst. Mit einem solchen Konzept werden zukunftsweisende, kreative und soziale Lösung für das Wohnungsproblem im innerstädtischen Bereich geboten, die in ähnlicher Form zunehmend und von immer mehr deutschen Kommunen in die Stadtplanung integriert wird (siehe Eco-Village Hannover u.a.).

 

In Braunschweig hat sich bereits 2018 eine Gruppe gebildet, die sich intensiv mit dem Thema Tiny House Siedlung beschäftigt. Auch die Verwaltung in Braunschweig hat den Bau von Tiny Houses mehrfach mit aufgegriffen.

 

Möglichkeiten für eine zeitnahe Realisierung einer Tiny House-Siedlung böten sich im Förderbereich der Sozialen Stadt Donauviertel (am Lehmanger) oder aber im Bereich des geplanten CoLivingCampus (Campus Nord TU Braunschweig am Bienroder Weg).

Allgemeine Vorteile einer Tiny House-Siedlung für Braunschweig:

Forschung und Wirtschaft

Bereits bei der Bewerbung zur »Kulturhauptstadt Europas« stellte sich Braunschweig als ein "führende[r] Wissenschaftsstandort, [der] seine Wirtschaft auf moderne Dienstleistungen und spezialisierte High-Tech-Unternehmen jenseits der spekulativen New Economy ausgerichtet [hat]," vor.

In Bezug auf den Forschungsstandort Braunschweig böte eine Tiny House-Siedlung zahlreiche Ansatzpunkte für Forschungsvorhaben im technisch-ökologischen und im sozialwissenschaftlichen Bereich. Bei ersten Gesprächen zeigten Instituten der ortsansässigen Hochschulen deutliches Interesse. Auch konnten erste Institute für Forschungsaktivitäten rund um eine Tiny House-Siedlung gewonnen werden. 

Mit einer Tiny House-Siedlung hätte Braunschweig einen Standortfaktor, der sich unter anderem positiv bei der Anwerbung von spezialisierten Expert:Innen aus der High-Tech-Branche auswirken würde. Gerade in diesen Bereichen sind Mitarbeiter:Innen häufig als digitale Nomaden:Innen oder als Freelancer:Innen tätig, die auf der Suche nach modernen, kreativen und innovativen Wohnformen sind.

Ökologie, nachhaltiger Lebensstil und Technik

Geringe CO2 Emissionen, geringer Ressourcenverbrauch und ein niedriger Energiebedarf kann - in Abhängigkeit vom Standort - mit unterschiedlichen Konzepten umgesetzt werden.

  • ·Ökologische und ressourcenfreundliche Bauweise der Tiny Houses und Gemeinschaftsgebäude
  • ·Geringe, geschickt gestaltete Wohnfläche pro Person
  • ·Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien
  • ·Abwasser-Kreislauf vor Ort
  • ·Gemeinschaftliche Nutzung von Flächen nach dem Prinzip der Suffizienz
  • ·Förderung eines minimalistischen Konsumverhalten
  • ·Förderung einer klimafreundlichen Ernährung auf Basis von saisonalen, regionalen und 

       biologischen Lebensmitteln, fleischarm bis vegan

Sharing

Von einem Sharingkonzept könnten neben den Bewohner:Innen auch die Nachbarn:Innen einer Tiny House-Siedlung profitieren, zum Beispiel durch die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, Werkzeugen und Alltagsgeräten. So könnten Fahrrädern, Pedelecs, Lastenrädern, Fahrrad-Anhängern und Pkw zur Verfügung stehen, so dass jeder das passende Fahrzeug je nach Anlass zur Verfügung hätte. Auch Werkzeuge zur gemeinschaftlichen Nutzung könnten Teil eines Sharingkonzeptes werden. Dieser Ansatz könnte in die unterschiedlichsten Lebensbereiche ausgeweitet werden.

Aktive Nachbarschaft

Eine Tiny House-Siedlung lebt von der Vernetzung mit dem Umfeld. Mehrgenerationen-Wohnen im vielfältigen, möglicherweise dicht bebauten und sozialem Kontext, ermöglicht ein aktives und erweitertes soziales Umfeld. Dazu gehört eine gelebte Nachbarschaft über die Grenzen der Tiny House-Siedlung hinaus, die einer Vereinsamung sozialer Gruppen (Ältere, Singles usw.) entgegenwirkt und eine gegenseitige Unterstützung in den unterschiedlichsten Lebenssitutionen verstärkt. 

Zusätzlich bieten sich neben dem bereits erwähnten Sharing noch weitere Ansätze für eine aktive Nachbarschaft. So wäre unter anderem gemeinschaftliches Gärtnern und Bienenzucht / Imkern mit Nachbar:Innen gemeinsam möglich. Zusätzlich käme es zu einem gegenseitigen Austausch bei Festen, Jugend- und Seniorentreffs sein, Familien oder auch ganz andere Aktivitäten mit Kultur- und Bildungseinrichtungen oder Vereinen.

Linie

Abstimmungsergebnis:

mit wenigen Gegenstimmen beschlossen

 


E-Mail