Unterstützungsprogramm für Hebammen

SchwangerJeder Frau steht es gesetzlich zu, rund um die Geburt von einer Hebamme betreut zu werden. Doch es wird immer schwieriger für die werdenden Mütter, eine Hebamme zu finden. So geht aus einem Bericht der Braunschweiger Zeitung hervor, dass eine Hebamme in Braunschweig täglich zwischen zehn und zwölf Absagen schreiben müsse.

Um die Situation zu entspannen, haben Nachbarkommunen bereits verschiedene Maßnahmenkataloge in die Wege geleitet. So bekommen Hebammen in Wolfsburg zum Beispiel finanzielle Unterstützung in Form eines Mietzuschusses oder eines Zuschusses für die Berufshaftpflicht. Im Landkreis Gifhorn werden Hebammen unter anderem mit einem Existensgründerzuschuss sowie einem Zuschuss für Pflichtweiterbildungen unterstützt.

 

In diesem Zusammenhang bitten wir die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Auf wie viele Schwangere kommt in Braunschweig eine Hebamme?
  2. Gibt es in Braunschweig Maßnahmen, um Hebammen zu unterstützen?
  3. Wenn ja, um welche Maßnahmen handelt es sich dabei?

LinieAntwort:

Zu Frage 1:

In Braunschweig gibt es zwei Frauenkliniken (Klinikum Braunschweig und Marienstift gGmbH), in denen Schwangere entbinden können. In 2018 fanden im Klinikum 2.300 Geburten und im Marienstift 922 Geburten statt. Es ist zu berücksichtigen, dass in beiden Kliniken etliche Frauen entbinden, die nicht im Stadtgebiet Braunschweig wohnen. Andererseits entbinden Frauen aus Braunschweig in anderen Krankenhäusern der Region.

Dem Gesundheitsamt Braunschweig sind keine Hausgeburten im Stadtgebiet Braunschweig gemeldet. Insofern können nur die stationären Entbindungen für die Beantwortung der Frage herangezogen werden. Bei insgesamt 3.250 Geburten in 2018 und 29 in diesem Zeitraum beim Gesundheitsamt Braunschweig gemeldeten Hebammen, die in Krankenhäusern arbeiten, entfallen auf eine Hebamme 112 Entbindungen pro Jahr. Dies ist eine sehr grobe Schätzung, weil die Daten zu gemeldeten Hebammen unvollständig sind. Nicht alle Hebammen kommen ihrer Meldepflicht beim Gesundheitsamt nach.

Im Geburtshaus Seerose in Braunschweig-Riddagshausen wurden in 2018 20 Kinder entbunden.

Zu Frage 2:

Der Engpass in der Hebammenversorgung ist seit einiger Zeit aus fachlichen, öffentlichen und politischen Diskussionen bekannt. Er wurde beim Frauenpolitischen Neujahrsempfang der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Braunschweig am 26. Januar 2019 thematisiert.  Vertieft wurde das Thema an diesem Tage durch einen Fachvortrag der Hebammenwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Christiane Schwarz von der Universität zu Lübeck. Am 9. Mai fand eine Podiumsdiskussion zur Hebammenversorgung in Braunschweig statt unter dem Motto "Gute Geburt! In Braunschweig eine Glückssache?". Einladende waren pro familia Beratungsstelle Braunschweig, Hebammenverband Niedersachsen e. V., Diakonie im Braunschweiger Land, Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF), Beratungsstelle Achtung! Leben und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig. Teilnehmer bei der Podiumsdiskussion unter der Moderation der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Braunschweig waren: Frau Dr. Carola Reimann (MS), Frau Dr. Arbogast, Dez. V Stadt Braunschweig, Frau Bujny (Vorsitzende des Niedersächsischen Hebammenverbandes), Herr Heller, Pflegedirektor Klinikum Braunschweig, Herr Dr. Kleinschmidt, KVN.

Diese Podiumsdiskussion stellt eine Auftaktveranstaltung zur Verbesserung der Hebammenversorgung in Braunschweig dar.

Es gibt diverse Unterstützungsprogramme über den Niedersächsischen Hebammenverband und die Kliniken in Braunschweig. Finanzielle Maßnahmen zur Unterstützung von Hebammen wie in Wolfsburg oder Gifhorn gibt es seitens der Stadt Braunschweig jedoch nicht.

Zu Frage 3:

Konkrete Unterstützungsleistungen seitens der Stadt Braunschweig gibt es bislang nicht. Sie beschäftigt sich allerdings intensiv mit der Thematik. Konkret wird die Gründung eines Runden Tisches in Braunschweig zur Verbesserung der Hebammenversorgung vorbereitet.

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