Leerstand in der Korfestraße verursacht durch Duisburger Immobilien-Milliardär und mutmaßlichen AFD-Spender - SPD, CDU und AfD wollen nicht eingreifen

Korfestraße klein„Leerstand in Brauschweig verhindern, das geht nur, wenn die Stadt ein vernünftiges Instrument in der Hand hat. Und genau das wollen wir mit unserem Antrag zur Einführung einer Zweckentfremdungssatzung erreichen“, fasst Udo Sommerfeld, Vorsitzender der Linksfraktion, zusammen. „Dass SPD und CDU diesen Vorschlag im zuständigen Ausschuss abgelehnt haben, obwohl er als Instrument gegen Leerstand auch von der eigenen Landesregierung vorgeschlagen wird, hat uns schon überrascht.“ Indem sie - gemeinsam mit der AfD - gegen den Antrag stimmten, unterstützen sie indirekt das Geschäftsverhalten des Duisburger Immobilien-Milliardärs Henning Conle, kritisiert Sommerfeld weiter. „Dass die AfD unseren Antrag ablehnt, wundert mich jedoch nicht. Schließlich soll der Immobilien-Spekulant Conle nach Recherchen von WDR, NDR, Süddeutscher Zeitung sowie dem Schweizer ‚Tages-Anzeiger‘ der heimliche Drahtzieher des AfD Spendenskandals sein.“

Henning Conle ist Eigentümer des Gebäudekomplexes Korfestraße 36-38 und Hartgerstraße 15-17, in dem bis Ende 2008 ein Seniorenheim und eine Seniorenpflegeschule betrieben wurden. Im angrenzenden Schwimmbad fanden therapeutische Schwimmkurse der Stadtbad GmbH für Menschen mit Behinderungen statt. Conle kündigte damals den Mietvertrag mit dem DRK und kündigte an, 63 Wohneinheiten schaffen zu wollen. Eine Anfrage der Linksfraktion im Jahr 2008, ob nicht wenigsten das Bad für den Bereich des therapeutischen Schwimmens weiter betrieben werden könne, wurde von der Henning Conle Grundstücksverwaltung rundweg abgelehnt. Seitdem stehen das Bad und die Wohnungen leer. Die Sanierungen werden immer wieder verschoben und auch heute – zwölf Jahre später – ist kein Ende des Leerstandes in Sicht.

Laut einer Vielzahl von Presseberichten wurde der Grundstock von Conles Vermögen durch seinen Vater und Onkel gelegt, die 1949 ein Architekturbüro eröffneten, das dank millionenschwerer öffentlicher Aufträge schnell zum Immobilienkonzern heranwuchs. Doch von Anfang an sah sich der Konzern starken Vorwürfen gegenüber. Bereits in den 1960er mussten sich die Brüder Conles vor dem Landgericht Duisburg wegen Korruption verantworten. Henning Conle selber geriet Ende der 90er Jahre in Hamburg in die Schlagzeilen. Dort soll er zirka 2.500 in seinem Besitz befindliche Altbauwohnungen komplett verfallen lassen haben. Mieter:innen, die sich gegen morsche Treppen und Dächer wehrten, sollen mit Aushängen im Treppenhaus gebrandmarkt worden sein. In Berlin soll Conle laut Medien ein in seinem Besitz befindliches Wohnhaus lange Zeit leer gestanden lassen haben, um es dann später mit hohem Gewinn weiter zu verkaufen. Mittlerweile ist laut Süddeutscher Zeitung Henning Conle durch seinen rüden Umgang mit den Mieter:innen und aufgrund von Leerstand und Verfall seiner Immobilien zur Hassfigur vieler Mietervereine geworden.

Neben seinen dubiosen Geschäftsmethoden soll Conle auch der heimliche Drahtzieher des AfD Spendenskandals sein. Nach den Medienberichten habe er 2017 über Strohmänner und Firmen 132.000 Euro in acht Tranchen an den AfD-Kreisverband Bodensee (Verwendungszweck: „Wahlkampfspende Alice Weidel“) gespendet. AfD Chef Meuthen soll schon 2016 über Umwege im baden-württembergischen Wahlkampf rund 90.000 Euro erhalten haben. Einer der Strohmänner arbeite für die Immobiliengesellschaft Conimmo in Antwerpen, die Henning Conle Senior mehrheitlich gehöre. Der Sohn gleichen Namens soll dort als Direktor eingetragen sein.

„Mit der Ablehnung einer Zweckentfremdungssatzung, verbunden mit eigener Tatenlosigkeit, sorgen SPD und CDU dafür, dass der Leerstand in der Korfestraße weitergeht, das ganze Objekt irgendwann lukrativ verscherbelt wird und der mutmaßliche AfD-Spender Conle sich einen weiteren satten Gewinn einsteckt“, fasst Sommerfeld abschließend zusammen. „Die Braunschweiger Einwohner:innen aber haben weiterhin das Nachsehen. Wohnraum in bester Lage wird ihnen entzogen.“

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